Wer macht den Anfang? (AMH)
Es gibt einen Psychopathen-Test vom FBI. Die Mutter einer Frau stirbt und bei dem Begräbnis trifft sie einen äußerst attraktiven Mann. Sie weiß nicht wer er ist und hat anschließend keine Kontaktdaten von ihm. Einige Wochen später ist ihr Bruder verstorben. Sie hat ihn ermordet, um den Mann wieder zu sehen - irgendein Nahestehender der Familie. Wenn man auf den Schluss kommt, dass sie ihren Bruder umgebracht hat und er nicht durch Zufall gestorben ist, dann hätte man laut diesem banalen Test eher das Potenzial psychopathische Veranlagungen zu haben. Warum? Man denkt sehr selbstzentriert und handelt nur in seinen eigenen Interessen, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen.
Das ist ein brutales Beispiel, keine Frage. Es lässt sich jedoch relativ gut auf die Klimakrise ummünzen. Alle wollen vermeintlich Veränderung, auch weil pro Klimaschutz zu sein, mehr woke und weniger diskussionsbedürftig ist also anti-Klimaschutz zu sein (in den meisten gesellschaftlichen Kreisen jedenfalls). Wenn nun also Veränderung gefordert wird, müsste man sich selbst an der Nase greifen und sich auch aktiv verändern, wandeln, vielleicht sogar neu erfinden. Das ist den meisten Menschen zu mühsam, zu kostspielig, zu anstrengend oder vielleicht auch einfach völlig egal nach dem Motto: „Wenn die anfangen, mache ich es auch, aber die sollen mal anfangen“. So wartet jeder darauf, dass der andere beginnt. Man hängt fest wie beim Brettspiel Mühle.
Die Zeit verstreicht dabei weiter und obwohl gesellschaftliche Solidarität unter jüngeren Generationen wächst, tut sich nichts bzw. einfach viel zu wenig. Desto länger die Menschen brauchen bis sich jemand dazu durchgerungen hat zu beginnen, desto mehr müssen in der Anzahl nachziehen, denn die Klimakrise verschlechtert sich nicht direkt proportional zur Anzahl der Menschen die auf einmal mit dem „Stoffsackerl“ einkaufen gehen (obwohl auch dieser Schritt wichtig ist). Ökonomische und auch sozio-kulturelle, geografische Ungleichheiten spielen eine riesige Rolle bei der Klimakrise-Debatte. Schließlich produziert der Globale Norden in seiner imperialistischen Lebensweise die meisten Abgase im Globalen Süden durch die Externalisierung der Ressourcen. Bei uns fließen kaum bis keine giftigen Chemikalien ins Wasser, schließlich haben wir es geschafft die Jeansproduktion zum Beispiel in ärmere Länder auszulagern, die physisch, psychisch und auf Kosten der Umwelt ausgebeutet werden, damit westliche Firmen Profit machen können und die westlichen Konsument*innen ihren Komfort nicht verlieren. Das Schlimmste daran: Alle wissen davon. Wirklich interessieren außer ein bedrücktes „wie schlimm“ vor sich hin zu murmeln, wenn wieder einmal eine Nähfabrik in Bangladesch einstürzt - dafür reicht es jedoch nicht.
Ich weiß nicht, ob uns das zu Psychopathen macht oder nicht. Theoretisch verfolgen wir nämlich unsere selbstzentrierten Ziele in zweierlei Maß: Wir wollen unseren Konsum, unsere Lebensweise nicht ändern. Gleichzeitig stürzen wir aber die Erde ins Chaos und vernichten uns damit selbst. Ich schätze die Frage lautet hier, ob der Mensch sich selbst nur als Individuum wahrnimmt oder als großes Kollektiv. Die Antwort darauf ist nach derzeitiger Lage bedrückend.
